Weihnachten - reif für die Insel?

17.12.2018 – Der Geschenke Terror im Zeitalter unserer Spaßgesellschaft war schon immer ein Begleiter der „staden“ Weihnachtszeit. Kurt Heine, damaliger Kinderreferent der JBN hat sich dazu schon 1996 seine Gedanken gemacht, die an Aktualität nichts eingebüßt haben. 

Allein der Gedanke an das bevorstehende Fest der Liebe treibt mir die Schweißperlen auf die Stirn.
„So nicht mehr“, habe ich mir das letzte Mal geschworen. Dabei war ich in den Jahren davor noch voller Überzeugung, man könnte auch als Familie mit Kindern dem Konsumterror und seiner suggestiven Aufforderung zum Kaufen und Schenken entgehen. 

Ab November quälte ich mich täglich eine Viertelstunde früher aus dem Bett, um die Werbebeilagen aus der Zeitung zu entfernen. Mit Verbot belegte ich die Kindersendungen der privaten Fernsehkanäle. Die Sendung mit der Maus und Peter Lustig sollten genug sein. Schließlich vermied ich Einkaufsfahrten mit den Kindern in die weihnachtlich geschmückte Stadt. Doch alles umsonst. Auf die Frage „was wünscht ihr Euch denn dieses Jahr zum Christkind“ antworteten Lisa und Maximilian unmissverständlich und bestens informiert mit den Standardklassikern aus der kunterbunten Spielzeugwelt: Batman, Barbie, Powerranger, Streetsharks, Gameboy, Pokahonta-Leggings....

Die perfekte Kaufberatung dazu lief über die Freunde meiner Kindern -  oftmals wahre Trendsetter in diesen Bereichen - lief über die Omas und Opas, über den Kindergarten, die Schule ... Die Animation oder soll ich sagen das Böse war einfach immer und überall. 

Doch so schnell wollte ich nicht aufgeben. Zu schockierend waren die Beispiele aus meinem Freundeskreisen, wo resignierte Eltern die Kaufentscheidungen an die Kinder abgegeben hatten. Drei volle Altpapiertonnen, bis zum Rand vollgestopft mit Geschenkpapieren, war die erschreckende Bilanz der Nachbarsfamilie nach der weihnachtlichen Geschenkorgie. Resultat: Bis an die Decke hin zugemüllte Kinderzimmer, Paradebiotope für Barbie und Batman und anderen Plastikschrott made in Hongkong. Hier kämpfen die Eltern bzw. das Aupair-Mädchen täglich gegen die vorprogrammierte Unordnung, wird der Hausanbau zur Vergrößerung der Kinderzimmer diskutiert oder erfolgt die großzügige jährliche Spielzeugentsorgung in Form einer Sammlung für bedürftige bosnische Kinder.

Ich für meinen Teil wollte hier nicht mitziehen. Gilt denn nicht auch die Leitlinie der Umwelterzieher „Nur was man kennt, liebt, schützt und pflegt man“ auch für das Spielzeug? Welches Kind hat heute noch einen Überblick über sein Spielzeug?

Es muss doch möglich sein, mit Überzeugung und Alternativangeboten wenigstens „Schadensbegenzung“ zu betreiben - dachte ich mir. Also versuchte ich behutsam und um Kompromisse bemüht, zusammen mit den Kindern den Wunschzettel für das Christkind zu erstellen. Ein Kraftakt war das. Meine Nerven waren gespannt wie Drahtseile. Denn zugegeben wollte ich natürlich auch leuchtende Kinderaugen am Weihnachtsabend sehen. Und ein warnendes Beispiel hatte ich noch aus dem letzten Jahr vor Augen. Meine in vielen Stunden selbstgezimmerte Arche Noah mit aus Lindenholz handgeschnitzten und naturfarbenen Tieren war ein totaler Flopp. Auch das Solarauto war im wahrsten Sinne des Wortes nicht gerade der Renner im Vergleich zum batteriebetriebenen Geländeflitzer unseres Nachbarkindes.
Ich hatte, um im Marketingdeutsch zu sprechen, schlichtweg an der Konsumsozialisation meiner Kinder vorbei produziert. Meine Frau hatte auch nicht mehr Glück. Ihre Dinkelvollwertplätzchen mit Honig waren schlichtweg chancenlos gegen die Mandelbusserl und Spitzbuben der Oma. 

Nächtelang haben meine Frau und ich uns zerfleischt in gegenseitigen Schuldzuweisungen. Es vielen Wörter wie „pädagogischer Blindgänger, Erziehungsdilletant, Ökospielverderber, Konsumkuh ...“. Nach dem Streit besuchten wir schließlich gemeinsam Seminare mit Titeln wie „Der kleine Tyrann“, „Kaufsucht ein genetisches Problem („Des hoda vom Vada!)“, „Schenken als sozialer Prozess“. Alles zwecklos!

Allein, wie bremst man Omis und Opis, geprägt vom Wirtschaftswunder der 50ziger Jahre, im wohlverdienten Ruhestand und mit zuviel Zeit und Geld ausgestattet? Bereits im Oktober (ächz...) prallen einem erste Geschenkideen entgegen. Dabei ist Nikolaus vom Vorjahr noch gar nicht überstanden; könnte man glatt ausfallen lassen! Stehen doch im Kellerregal noch 5 kg graugewordene Schoko-Nikoläuse in allen Größen. 

So nicht mehr, so nicht mehr?! Wie dann?
Ab ins Reisebüro - Flucht nach Ägypten. Sch... Schon alles ausgebucht. Gran Canaria? Niemals, zu viele Omis und Opis.
Dann doch wie letztes Jahr?
Nein, lieber Bahn frei für Batmann.
Oh, Du fröhliche .....