Wasser:Wert - Start der neuen JBN-Wasser-Kampagne

13.06.2018 – JBN-Campaignerin Penelope Kemekenidou im Interview über die neue Kampagne gegen Wasserprivatisierung und für sauberes Trinkwasser, warum auch Kinder betroffen sind und was sie tun können

JBN-Campaignerin Penelope Kemekenidou

 

Die JBN startet ihre neue Kampagne für sauberes Trinkwasser. Warum das Thema Wasser und was verbirgt sich hinter dem Namen WASSER:WERT?

Ohne Zugang zu sauberem Wasser kann man im Grunde nicht leben. Deswegen lautet die Überschrift des sechsten Ziels für nachhaltige Entwicklung der Vereinten Nationen: Wasser- und Sanitärversorgung für alle Menschen. Der Wert von Wasser muss wieder in den Fokus der Menschen treten - gerade dann, wenn die Qualität unseres Trinkwassers, aber auch die von Seen und Flüssen, in Gefahr ist.

Warum sind gerade Kinder betroffen?

Unsere Wasserqualität ist überall bedroht - ob Trinkwasser oder Badeseen. Unsere Trinkwasserqualität sinkt, das heißt, unser Trinkwasser aufzubereiten wird immer teurer und aufwändiger. Vor einigen Wochen entdeckte man in Sachsen multiresistente Keime im Badewasser. Das sind Bakterien, die man nicht mal mehr mit vom Arzt verschriebenen Antibiotika bekämpfen kann. Es folgten Badeverbote für ältere Menschen und Kinder, da durch ihr schwächeres Immunsystem lebensbedrohliche Infekte hätten folgen können. Verschlechterungen unserer Wasserwerte treten dabei erst Jahrzehnte später auf, für unsere Fehler zahlen also spätere Generationen.

Aber auch auf der anderen Seite der Erde erzeugen wir Probleme: Parallel zapfen Firmen wie Nestlé in Ländern, die noch nicht vor Wasserprivatisierung geschützt sind, Wasser ab. Die Kinder und Familien vor Ort verdursten also, während wir hier von diesen Firmen überteuertes Wasser mit Mikroplastik kaufen und trinken. Es muss schon längst ein Verkaufsverbot für Nestlé her. Wasser gehört uns allen!

Was und wie können Kindergruppen zur Kampagne beitragen?

Geht in eurer Umgebung auf „Gewässer-Erkundungstour”. Wo entspringen Gräben und Bäche, wo münden sie ein und was unterscheidet sie? Welchen Müll findet ihr im Gewässer? Sind die Gewässer begradigt und verbaut? Reichen die Ackerflächen bis an den Gewässerrand? Oder gestaltet der Biber eine natürlich Auenlandschaft mit hoher Artenvielfalt, die ihr mit eurem Kescher fangt und bestimmt? Woher kommt euer Leitungswasser und das Wasser aus euren Glas- und Plastikflaschen (besser: vermeidet Plastikflaschen!) und  welchen Weg hat es zurück gelegt? Teilt Entscheidungsträgern in eurer Gemeinde mit, was euch nicht passt!

Was hat Nestle mit unserem Trinkwasser zu tun?

Nestlé klaut Wasser. Uns verkaufen sie Wasser mit viel Plastikmüll, das kommt weder uns noch den Meeren zugute. Oft ersticken Delfine und Meeresschildkröten im Plastikmüll, den sie mit Nahrung verwechseln und schlucken. Die neueste, schlimme Nachricht kommt aus Frankreich: Nestlé zapft auch dort in einem Ort Wasser ab, so dass den Einwohnern nicht genug bleibt. Diese müssen zusätzliche Kosten aus eigener Tasche bezahlen, um Wasser aus dem Nachbarort zu kaufen. Das ist kriminell! Niemand sollte Wasser besitzen. Wasser brauchen wir alle und es gehört uns allen. Was wollen sie als nächstes verkaufen? Luft?

Was verbirgt sich hinter dem Begriff Gewässerrandstreifen?

Der Gewässerrandstreifen verhindert, dass Dünger und Pflanzenschutzmittel aus angrenzenden intensiv genutzten Flächen in den Gewässern landen. Er bietet Tieren und Pflanzen einen wertvollen Lebensraum und puffert Starkregenereignisse ab. In allen anderen Bundesländern sind fünf Meter Abstand zwischen Gewässer und Nutzfläche vorgeschrieben, in Bayern nicht! Weil sich unsere Staatsregierung mit Freiwilligkeit rühmt, und diese ist gescheitert.

Was ist für dich persönlich am Element Wasser das Schönste und Wertvollste?

Ich freue mich auf den Sommer, um mich am See oder Fluss im Wasser treiben zu lassen.

Was macht man eigentlich als Campaignerin?

Man informiert Menschen über Dinge, die in den Medien sonst zu kurz kommen - Pflanzen, Tiere, Menschen schützen... Es gibt viele Probleme, aber auch viele tolle Menschen, die sich diesen Problemen entgegenstellen. Lustige Aktionen, Filme und Bilder zu kreieren, sind dabei ein Teil des Spaßes. Und natürlich Bösewichten wie Nestlé das Handwerk zu legen! 

Danke für das Interview!

Mehr Infos zur Kampagne unter www.wasserwert.org