Endspurt im Volksbegehren Artenvielfalt „Rettet die Bienen“! Heute: Gängige Vorurteile gegen das Volksbegehren und wie ihr sie entkräften könnt.

07.02.2019 – Unseren vierten und letzten Infoblock zum Volksbegehren Artenvielfalt „Rettet die Bienen“ können wir mit einer Wahnsinnsnachricht eröffnen: Bis Dienstag, den 6. Februar haben sich bereits 500.000 Menschen für das Volksbegehren „Artenvielfalt“ eingetragen! Nach weniger als der Hälfte der Zeit hatten wir bereits die Hälfte der nötigen Stimmen zusammen. An dieser Stelle: Ein riesengroßes Dankeschön an alle, die bereits unterschrieben und zahlreiche andere motiviert haben! Ihr seid großartig und die Bienen danken es euch!

Nun dürfen wir aber auf gar keinen Fall lockerlassen! Uns bleiben nur noch wenige Tage, um die benötigte Anzahl an Stimmen von knapp einer Million zu knacken. Obwohl es derzeit unter dem Hashtag #VolksbegehrenArtenvielfalt landauf landab summt und brummt, was das Zeug hält, bekommen wir nämlich viel Gegenwind. Vor allem melden sich immer mehr Stimmen zu Wort, die behaupten, das Volksbegehren mache die Landwirtschaft zum Sündenbock und schade den Bäuerinnen und Bauern. Warum das Volksbegehren ganz im Gegenteil sogar die bäuerliche Landwirtschaft unterstützt und wie ihr dieses und andere gängige Vorurteile aus dem Weg räumen könnt, erklären wir euch heute.

1. Vorurteil: „Das Volksbegehren gibt die Schuld an allem den Bauern. Wenn du für das Volksbegehren unterschreibst, ist das eine Stimme gegen die Bauern. Vor allem kleine Betriebe werden zerstört!“

Das Gegenteil stimmt. Das Volksbegehren war von Anfang an ein Volksbegehren für die Bäuerinnen und Bauern genauso wie für die Bienen. Bäuerinnen und Bauern sind ganz genauso wie die Insekten Opfer von Agrarlobbyismus und einem System intensiver Landwirtschaft, das auf reine Gewinnmaximierung abzielt. Zu niedrige Milchpreise, die Existenzprobleme von Landwirt*innen und das Sterben kleiner Höfe; all das sind genauso Folgeschäden dieses maroden Systems - wie auch das Bienensterben. Das Volksbegehren zielt darauf ab, endlich die gesetzlichen Rahmenbedingungen zu etablieren, um dieses System an der Wurzel zu packen. Durch die Änderungen im Naturschutzgesetz soll es Landwirt*innen endlich erleichtert werden, naturverträglich und ökonomisch zugleich zu wirtschaften. Wer das Volksbegehren unterschreibt, gibt seine Stimme für die Rettung der Bienen und für die Rettung der Bäuerinnen und Bauern ab. Aus diesem Grund unterstützt auch die Arbeitsgemeinschaft Bäuerlicher Landwirtschaft ABL das Volksbegehren. Als Jugendorganisation BUND Naturschutz ist uns eins besonders wichtig: Junge Menschen in der Landwirtschaft sollen die elterlichen Betriebe übernehmen und sich ihren Lebensunterhalt erwirtschaften können, ohne dafür die Natur ausbeuten zu müssen. Gerade junge Bäuerinnen und Bauern sind sich ihrer Verantwortung für kommende Generation durchaus bewusst und wollen ihren Beitrag leisten, die Vielfalt der Natur in Bayern zu erhalten. Dabei wollen wir sie endlich mit den notwendigen Maßnahmen unterstützen.

2. Vorurteil: „Wer etwas für die Bienen tun möchte, sollte sich lieber an die eigene Nase fasen anstatt die Bauern zu bashen! Helfen sollte man, indem man seinen Garten seltener mäht und den Balkon bepflanzt!“

Weniger Mähen, Balkon bepflanzen und Bio einkaufen finden wir super! Es stimmt: Jede*r einzelne von uns kann mit ihrem oder seinem eigenen Handeln einen Beitrag dazu leisten, die Welt wieder ein klein wenig insektenfreundlicher zu gestalten. Wenn wir diese Verantwortung des Einzelnen benennen, dürfen wir aber nicht die Politik aus der Pflicht lassen! In unserem Grundgesetz §20a heißt es: „Der Staat schützt auch in Verantwortung für die künftigen Generationen die natürlichen Lebensgrundlagen und die Tiere [...].“ Diese Aufgabe hat die Politik in den letzten Jahrzehnten aus den Augen verloren. Mit dem Volksbegehren wollen wir sie an diese verfassungsgemäße Pflicht erinnern. Derzeit gehen jeden Freitag Schüler*innen auf die Straße, um für den Klimaschutz zu streiken. Sie haben erkannt, dass sie ihre Zukunft und die Zukunft unseres Planeten selbst in die Hand nehmen müssen. Streik ist eine Möglichkeit, politischen Druck aufzubauen, Instrumente wie das Volkbegehren sind eine andere Methode, unsere Anliegen in die Politik zu tragen.

Neben so viel gelebter Demokratie und politischem Aktivismus kann dann natürlich zur Erholung ein bisschen Tuchfühlung mit der Natur vor der Haustür helfen: Warum also nicht noch den Balkon mit einer blühenden Bienenweide bepflanzen?

3. Vorurteil: „Unterschrieben ist schnell, aber wenn es an den eigenen Geldbeutel geht, sind plötzlich alle nicht mehr so vorlaut. Die Leute kaufen einfach nicht genug Bio-Lebensmittel ein.“

Es stimmt natürlich: Wenn wir 30% Ökolandbau bis 2030 fordern, sind hier nicht nur die Produzent*innen, sondern auch die Konsument*innen in der Pflicht. Dabei soll natürlich nicht in Zukunft an der Supermarktkasse kontrolliert werden, ob wir auch alle brav mindestens 30% Produkte mit Biosiegel im Einkaufswagen liegen haben und das ist auch gar nicht nötig. In der bayerischen Bevölkerung wächst die Nachfrage nach biologischen Lebensmitteln nämlich seit vielen Jahren kontinuierlich. Die heimischen Bio-Erzeuger*innen schaffen es aktuell nicht einmal, die gesamte Nachfrage in Deutschland zu befriedigen; Bio-Milch muss sogar aus dem Ausland importiert werden. Ihr seht: Es gibt also durchaus einen erhöhten Bedarf an biologisch erzeugten Lebensmitteln in Bayern. Hier knüpft das Volksbegehren an, das die gesetzlichen Rahmenbedingungen für mehr Ökolandbau in Bayern schaffen möchte.

Wer für den heißen Endspurt im Volksbegehren Artenvielfalt „Rettet die Bienen!“ noch mehr gute Argumente braucht, folge den angefügten weiterführenden Links. Bei der weiteren Überzeugungsarbeit wünschen wir euch viel Erfolg und auch jede Menge Spaß. Jede Stimme zählt!

Landwirtschaft und Artenschutz gemeinsam voranbringen

Ein Volksbegehren für die Bauern

FAQ Artenvielfalt

quer berichtet

Text: Veronika Feicht