Wieso vegan?

„Also das könnte ich ja nicht.“ „Vegetarisch verstehe ich ja, aber vegan?“. „Was isst du denn überhaupt noch?“. Und „Warum machst du das eigentlich?“

Solche und andere Fragen werden mir auch nach 4 Jahren veganer Ernährung noch oft gestellt.

Mit 14 Jahren habe ich mich dazu entschieden, vegetarisch zu leben. Nach dem Abitur wurde das Thema Ernährung in meinem Leben wieder wichtig. Zum ersten Mal von zuhause weg! Was kaufe ich ein? Was koche ich? Und so stieß ich auf die tausenden von Informationen, die es zum Thema Veganismus gibt, und nach einiger Zeit war es für mich unvermeidlich, meine Ernährung umzustellen. Von den ethischen Gründen wie Massentierhaltung und Ausbeutung der Tiere mal abgesehen, gibt es auch einige ökologische Gründe, auf Tierprodukte zu verzichten.


Landverbrauch

Der Flächenverbrauch für den Fleischkonsum ist riesig. Die 82 Millionen Bürger Deutschlands beanspruchen allein mit ihrem Fleischkonsum deutlich mehr als 8 Millionen ha Fläche. Da diese Fläche in Deutschland bzw. Europa dafür nicht vorhanden ist, wird dies in andere Länder ausgelagert, vor allem nach Brasilien. Deutschland nimmt in Südamerika 4,4 Mio. ha für Futtermittel in Anspruch, ein Drittel davon in Brasilien.

Soja hat hierbei eine große Bedeutung. Insgesamt wird in Brasilien auf 22 Mio. ha Soja als Futterpflanze angebaut. Etwa 40% der Fläche, die Deutschland für sich bezüglich der als Anbaufläche beansprucht, entfällt auf Soja.

Um eine solch große Fläche zur Verfügung zu haben, werden wertvolle und oft einmalige Lebensräume zerstört. Die großen Brände im vergangenen Jahr im Amazonasgebiet sind hierbei ein wichtiges Beispiel: große Flächen des Waldes werden mehr oder weniger kontrolliert abgebrannt, um genug Platz für den Anbau zur Verfügung zu haben. Dass hierbei auch viele Tierarten aussterben, ist keine Überraschung. Der Sojaboom führt zum drastischen Rückgang der regionalen Artenvielfalt dieser Regionen und beeinflusst das Klima, werden doch mit der Umwandlung der dort natürlichen Lebensräume große Mengen von Treibhausgasen freigesetzt.

Insgesamt werden in Deutschland pro Jahr etwa 3,7 Millionen Rinder, 58 Millionen Schweine und etwa 680 Millionen Geflügeltiere geschlachtet. Für die allermeisten dieser Tiere ist Soja ein zentraler Bestandteil ihres Futters, vor allem für Tiere aus Massentierhaltung. Da für 1 kg Geflügelfleisch ca. 1 kg Soja benötigt wird, werden in Deutschland insgesamt pro Jahr 4,5 Millionen Tonnen Soja an die Tiere verfüttert.

Generell wird als Flächenverbrauch je Kilogramm Produkt in der Tierhaltung wie folgt berechnet:

  • Rindfleisch: 27 – 49 m²
  • Schweinefleisch: 9 – 12 m²
  • Geflügelfleisch: 8 – 10 m²
  • Milch: 1 – 2 m²
  • Eier: 4 – 6 m²

Doch welche Verantwortung trägt jeder Einzelne von uns? Pro Kopf beträgt der Flächenbedarf des Fleischkonsums circa 1000 m² (im Durchschnitt isst jeder Deutsche etwa 88 kg Fleisch im Jahr, darunter circa 13 kg Rindfleisch, 56 kg Schweinfleisch, 19 kg Geflügelfleisch). Allein für den Sojaanbau werden somit 229 m² Ackerland pro Kopf benötigt; umgerechnet auf alle Deutsche müsste in einem Gebiet der Größe Sachsens ausschließlich Soja angebaut werden, um den Fleischverbrauch zu gewährleisten.


Wasserverbrauch

Jedes Produkt trägt sogenanntes „virtuelles Wasser“ in sich. Dies beschreibt die Gesamtmenge des Wassers, das während des Herstellungsprozesses benötigt wurde. So stecken hinter der Produktion von einem Kilogramm Rindfleisch bis zu 15.500 Liter Wasser. Mit dieser Menge könnte man theoretisch ein ganzes Jahr lang täglich duschen. Wie beim Landverbrauch entsteht der größte Wasser-Fußabdruck Deutschlands in Brasilien. Auch wenn Brasilien ein wasserreiches Land ist, befindet es sich in einer Wasserkrise. Hauptgrund ist die unkontrollierte Wasserverschmutzung, sodass ein großer Teil der Bevölkerung nicht mit sauberem Trinkwasser versorgt werden kann. Schuld daran tragen vor allem Abwässer aus Fischerei und Landwirtschaft.

Insgesamt werden in der Tierindustrie fast 30 % des weltweit genutzten Wassers verwendet: Bewässerung der Futtermittel, Bedarf der Tiere an Trinkwasser, Weiterverarbeitung des Fleisches und die Reinigung der Ställe.


Emissionen

Die landwirtschaftliche Tierhaltung produziert große Mengen an Staub, Feinstaub und anderen schädlichen Stoffen und Gasen. Unter anderem das starke Umweltgift Ammoniak, welches aus den Exkrementen der Tiere entsteht, stammt in Europa zu 90% aus der Landwirtschaft. In den Ställen nimmt es den Tieren die Luft zum Atmen und schädigt ihre Lungen. Als Gülle auf den Feldern trägt es zur Feinstaubbildung und zum sauren Regen bei.

Im Jahr 2016 emittierten die 20 größten Fleisch- und Milchkonzerne mehr Treibhausgase als ganz Deutschland. Die Bekämpfung des Klimawandels ist ohne Eindämmung der Emissionen der Fleisch- & Milchindustrie nicht möglich.

Inzwischen entfallen fast 15 % der weltweiten Treibhausgasemissionen auf die Tierhaltung – mehr als auf den kompletten weltweiten Verkehrssektor. Unglücklicherweise widerspricht die aktuelle Klimapolitik dem Ziel des Pariser Klimaabkommens, und teilweise ermutigt sie sogar zu Produktionssteigerung und -intensivierung. Dies liegt unter anderem auch an dem großen politischen Einfluss der transnationalen Fleisch- und Milchkonzerne wie zum Beispiel dem größten Fleisch verarbeitenden Unternehmen der Welt, JBS.

Wenn jeder Bürger nur einmal pro Woche auf Fleisch verzichten würde, könnte das zu einer Einsparung von neun Millionen Tonnen Treibhausgasemissionen führen, jeder Deutsche also circa 800 Kilogramm CO2 einsparen.


Nachdem ich diese Informationen gesammelt hatte, mich außerdem viel mit den ethischen und gesundheitlichen Hintergründen und Aspekten beschäftigt habe, war es für mich das einfachste überhaupt, auf tierische Produkte zu verzichten.

Und ich vermisse nichts!