Klimagerechte Abfallwirtschaft

Deutschland produziert laut statistischem Bundesamt jährlich ca. 417 Millionen Tonnen Abfall, davon fallen 37,8 Millionen Tonnen auf die privaten Haushalte an. Das macht 455 kg Müll pro Kopf jedes Jahr.[1] Und während die Menge des Mülls seit Beginn der statistischen Erfassung (2006) um ca. 12 % gestiegen ist, blieb die Recyclingquote konstant bei 70%.[2]

Was sich erst mal nach einer guten Quote anhört, sieht in Wirklichkeit deutlich schlechter aus. Denn zum recycelten Müll wird z. B. auch die Menge gezählt, die ins Ausland exportiert wird. Ob sie dort dann auch tatsächlich wiederverwertet wird oder auf der Deponie landen wird von der Statistik nicht mehr erfasst. Bei Plastikmüll liegt laut Studien der recycelte Anteil nur bei 15 – 17%, der Rest verschwindet im Ausland oder wird in Deutschland verbrannt. [3], [4].

Insbesondere die Exporte von Abfall nach Asien sind hochproblematisch. Häufig landet der Müll noch nicht mal in Deponien sondern wird in der Natur abgeladen, wodurch er sich schnell verteilt und auch in den Weltmeeren landet. Oder er wird in nicht genehmigten Fabriken ohne Schutzvorrichtungen verbrannt, wodurch die Menschen und die Umwelt vergiftet werden. [5]

Es fehlt an (finanziellen) Anreizen Müll zu vermeiden und Müll hier vor Ort fachgerecht zu recyceln. Solange Unternehmen mit dem Export von Müll Geld verdienen wird sich an der Verschmutzung der Natur durch den Müll der Industrieländer nichts ändern. [6]

Dass Verbote allein nicht ausreichen werden, kann man beim Thema Elektroschrott sehr gut sehen. Obwohl der Export dieses Mülls schon seit 1995 verboten ist, landet immer noch Elektroschrott in Afrika, um dort ebenfalls ohne Schutzvorrichtungen in der freien Natur verbrannt zu werden. [7]

Neben einem Exportverbot für sämtlichen in Deutschland produzierten Müll muss es klare finanzielle Anreize geben, dass der Müll hier vor Ort entsorgt wird. Eine thermische Verwertung sollte nach Möglichkeit vermieden werden und weniger stark gefördert werden als das stoffliche Recycling. Doch selbst eine thermische Verwertung von Kunststoff ist bei der hier vorherrschenden strengen Gesetzgebung und den effektiven Rauchgasreinigungsanlagen deutlich besser als die Verbrennung auf freiem Feld.

Um das stoffliche Recycling attraktiver zu machen und zu vereinfachen sollten Hersteller von Produkten diese aus möglichst wenigen verschiedenen Materialien herstellen und ein Recyclingkonzept mitentwickeln, wie ihr Produkt später verwertet werden kann.

Damit dieser Cradle to cradle Ansatz von Unternehmen verstärkt umgesetzt wird, müssen sie verpflichtet werden, sich an der Entsorgung ihrer Produkte finanziell deutlich stärker zu beteiligen als bisher. Dadurch soll eine kreislaufgerechte Produktentwicklung kein unattraktiver Mehraufwand für Firmen mehr bedeuten, sondern als Potential zur Kosteneinsparung genutzt werden.

Der Verbraucher muss hierbei in der Pflicht sein, den Müll bei den richtigen Entsorgungsstellen abzugeben. Die Entsorgung von Müll in der Natur muss finanziell stärker sanktioniert werden als bisher, da ein Bußgeld von 35 € niemanden abschreckt und selbst kleine Müllmengen (z. B. Zigarettenstummel) in den Natur einen großen Schaden anrichten können. [8] So verseucht zum Beispiel ein Zigarettenstummel bis zu 40L Grundwasser. [9]

[1] https://www.destatis.de/DE/Themen/Gesellschaft-Umwelt/Umwelt/Abfallwirtschaft/_inhalt.html

[2] https://www.destatis.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/2020/06/PD20_195_321.html;jsessionid=6CF982095F37145051061E8B5337E7F3.internet8732

[3] https://www.gruene-bundestag.de/themen/umwelt/deutschland-ist-nicht-recyclingweltmeister

[4] https://www.forschung-und-wissen.de/nachrichten/umwelt/recyclingquote-von-plastikmuell-in-deutschland-nur-bei-16-prozent-13373011

[5] https://www.daserste.de/information/politik-weltgeschehen/weltspiegel/malaysia-muell100.html

[6] https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/abfallproblem-der-export-von-plastikmuell-muss-endlich-aufhoeren-1.4418422

[7] https://www.planet-wissen.de/kultur/afrika/ghana/pwiegiftigerelektromuell100.html

[8] https://www.sueddeutsche.de/wissen/zigaretten-als-umweltverschmutzung-viel-gift-in-der-kippe-1.1086893

[9] https://www.focus.de/wissen/zigaretten-jeder-stummel-verseucht-40-liter-grundwasser_id_9585402.html