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11.03.2011

„Igitt, E 10!“

Wahr ist, die aktuelle Debatte um den Bio-Sprit „E 10“ ist aus ökologischer und humanitärer Perspektive mehr als notwendig und begrüßenswert. Wahr ist auch, dass zu Recht gezögert wird, die neue Bio-Sprit-Mischung zu tanken. Denn die ökologischen Risiken, die sich hinter „E 10“ verbergen, sind enorm. Und kaum jemand kennt sie. Deswegen haben wir, der Landesvorstande der JBN unsere Vorstandssitzung zum Anlass genommen, und für dich das Wesentliche zusammen gefasst!

Igitt, E10!

Worum geht’s?

Die ganze Idee von E 10 beruht auf der EU Richtlinie (2009/28/EG), die für alle Mitgliedsstaaten bindend ist. Sie schreibt vor, dass bis 2020 10% des Kraftstoffverbrauchs der Mitgliedsstaaten biologisch erzeugt werden müssen. Dahinter steht der Gedanke die CO2-Emissonen Europas zu senken, um dem Klimawandel entgegen zu wirken, ohne echte spürbare Einschnitte zu verursachen. Und das ist, aus unserer Sicht die entscheidende Schwachstelle. Spürbare Maßnahmen, um dem Klimawandel entgegen zu treten, sind längst bekannt. Aber vielleicht ist es auch einfach Zufall, dass Spanien am Montag den 7. März 2011 das Tempolimit auf Autobahnen um 10 km/h auf 110 km/h gesenkt hat.


Was bedeutet E 10 ökologisch?

E 10 zeigt schon jetzt, dass die Strategie bis 2020 10% des europäischen Kraftstoffs klimaneutral zu verbrennen, mehr als fragwürdig ist und aller Wahrscheinlichkeit eine negative CO2-Bilanz haben wird. Also noch mehr CO2 freisetzen wird, als nichts zu machen.       
Wem ist schon bewusst, dass man 27% der deutschen Ackerfläche für den Auspuff bepflanzen müsste, wenn man nur 10% des insgesamt in Deutschland benötigten Treibstoffs durch Bio-Sprit ersetzen wollte? Wissenswert ist auch, dass 2009 in Deutschland 900 Millionen Liter Ethanol beigemischt wurden. Das waren nur ca. 4% des insgesamt in Deutschland verbrannten Treibstoffs. Eigentlich ist das recht wenig. Trotzdem konnte schon diese Menge nur durch Importe gedeckt werden. Und sobald Importe ins Spiel kommen, wird die Sache sehr komplex. Eigentlich kann man dann auch nicht mehr von echtem Bio-Sprit ausgehen, sondern muss annehmen, dass die industrielle Landwirtschaft zum Zug kommt.Weswegen man klarer Weise von AGROSprit sprechen sollte. Aber "bio" klingt wohl besser.


Eine IEEP-Studie vom Januar hat gezeigt, dass 50% des Bio-Sprits, der 2020 in der EU benötigt wird, importiert werden muss. „Daraus resultiert eine weltweite Ausdehnung der dafür genutzten landwirtschaftlichen Fläche auf bis zu 69.000 km2, was ungefähr der Fläche Irlands entspricht. Für diese Umwandlung müssen u.a. auch Wälder, Grünland und Torfflächen weichen. Der Anbau zusätzlicher Agrokraftstoffs führt demzufolge insgesamt zu einer negativen CO2-Bilanz“ (BUND Hintergrundpapier), weil bestehende Kohlenstoffspeicher und Senken vernichtet werden müssten. Insgesamt werden laut IEEP-Studie bis 2020 weitere 27 bis 56 Millionen Tonnen CO2  durch diesen zusätzlichen Flächenverbrauch frei. Das entspricht 12 bis 26 Millionen zusätzlichen Autos auf Europas Straßen im Jahr 2020. Wenn man sich diese Fakten bewusst macht, versteht man auch schnell, wieso von Bio-Sprit nur ein nettes Label ist.


Man kann davon ausgehen, dass die zusätzlichen Eingriffe ohnehin strapazierte Ökosysteme treffen und den Verlust von Biodiversität weiter vorantreiben. Darüber hinaus setzt die intensive Bewirtschaftung der Ackerflächen weitere Treibhausgase, wie Lachgas und Methan frei und verbraucht selbst Öl für Maschinen, Dünger und Gifte


Tank oder Teller?

Über Biokraftstoffe wird seit vielen Jahren diskutiert, weil es zu einer Konkurrenz zwischen Tank und Teller kommt. Zuckerrüben, Mais und Weizen für europäische Ottomotoren zu verwenden, während andern Orts auf der Welt Menschen hungern ist nicht hinnehmbar. Zusätzliche Nachfrage an Bio-Sprit würde die Weltmarktpreise aber weiter in die Höhe treiben, und Grundnahrungsmittel weiter verteuern (Tortillakrise).

„Igitt! E 10“

Sicherlich kann man sagen, dass die zusätzliche Rodung von Land für den Anbau von AGROSprit ein typischer ökologischer Zielkonflikt ist und irgendwer eben immer in den sauren Apfel beißen muss. Nur damit verkennt man, dass dieser Zielkonflikt einfach zu vermeiden ist und es eben auch Menschen gibt, die wegen dieser Strategie buchstäblich nichts mehr zum beißen haben. Außerdem ist durch diese Strategie noch gar nicht sicher gestellt, dass es tatsächlich zu einer besseren Klimabilanz der EU kommt. Vielleicht geben die EU-Bürger mit gutem Gewissen nämlich einfach 10% oder 15% mehr Gas, wenn sie schon klimaneutral tanken (Reboundeffekt).


Dagegen würde die Senkung des Flottenverbrauchs von Autoherstellern oder ein Tempolimit  schnell und sicher eine spürbare Entlastung bringen und zu keinem Zielkonflikt führen. Aber vielleicht reicht es auch einfach 10% weniger Gas zu geben. Dann freut sich auch der Geldbeutel.
Zunächst ist das wichtigste aber: Du musst diese Argumente weiter sagen! Denn auch wenn du informiert bist, wissen viele Leute noch nicht, welche Risiken hinter E 10 stecken und denken deswegen auch nicht: „Igitt, E 10!“, wenn sie an der Zapfsäule stehen.


Dein Landesvorstand: Theresa, Martin, Agnes, Ulrich, Jule.

 

 

 


Quellen:
http://www.ieep.eu/topics/climate-change-and-energy/energy/bioenergy/2010/11/the-indirect-land-use-change-impact-of-biofuels-ieep-launches-analysis-of-eu-nations-projected
http://www.bund.net/fileadmin/bundnet/pdfs/verkehr/autoverkehr/20110224_verkehr_autoverkehr_kohlendioxid_hintergrund_e10.pdf
http://www.guardian.co.uk/business/2011/mar/07/spain-lowers-motorway-speed-limit-save-oil

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