Flucht

Naturzufluchten - Natur als Raum für Begegnungen

 

Weltweit sind aktuell 79,5 Mio Menschen auf der Flucht (vgl. UNO). Die Menschen fliehen vor Krieg und Gewalt, Verfolgung, Unterdrückung und Naturkatastrophen. Die Folgen des Klimawandels und einer ungerechten global agierenden Wirtschaftsstruktur sind Gründe für Abwanderung und Flucht. Europa nimmt dabei ihre Verantwortung nicht wahr und schottet Menschen vor den EU-Außengrenzen ab, lässt zu dass Menschen im Mittelmeer ertrinken und unterstützt Länder wie Beispielsweise Griechenland nicht ausreichend durch eine Umverteilung auf alle europäischen Staaten. Wir als Jugendverband möchten entgegen der aktuellen politischen Linie ein Zeichen für Offenheit und Menschenwürde setzen. Wir möchten uns Selbstkritisch mit unserem Selbstverständnis auseinandersetzen und offener werden um eine Vielfalt innerhalb vom Verband zu gewährleisten. Mit diesem Bewusstsein wird die JBN aktiv und hat das Projekt „Naturzufluchten” ins Leben gerufen.

Kein Mensch möchte fliehen, daher gilt es zu allererst die Fluchtursachen konsequent zu bekämpfen. Menschen, die in Europa bzw. in Deutschland ankommen müssen langfristige Perspektiven ermöglicht werden. Wir fordern ein faires und zügiges Asylverfahren und handeln in dem Bewusstsein, dass die Verantwortung für gelingende Integration zum Großteil in der Aufnahmegesellschaft liegt. Wir stehen ein für eine angstfreie und nachhaltige Willkommenskultur. Studien haben gezeigt, dass insbesondere Gegenden in denen keine Menschen mit Fluchterfahrungen wohnen, die Ängste und Vorurteile ihnen gegenüber am größten sind. Daher wollen wir in unseren Kinder-, Müpfe-, und Jugendgruppen einen Begegnungsraum schaffen

Natur als Heimat?
Heimat – eines der Wörter, die es übrigens nur so im Deutschen gibt, ist für jeden Menschen etwas anderes. Das kleine Dorf, der Inselstrand hinter den Kiefernwälder, Plattenbauten, der Sternenhimmel der Wüste… Doch Heimat ist noch viel mehr – es sind unscharfe Erinnerungen, eher eine Hintergrundmelodie bestehend aus dem Geruch des Lieblingsessens von der Oma gekocht, das Einschlaflied der Mutter, ein Ausdruck, dessen Bedeutung nur wenige Menschen kennen und eben Naturphänomene wie der Ruf des Waldkauz, die Ankunft der Schwalben und Störche, der Salzgeruch des Meeres. Oft wird diese „Hintergrundmelodie“ erst in der Fremde schmerzlich vermisst. Solange „Heimat“ da ist, spürt man sie kaum.

Naturräume und Naturerfahrungen können ein Weg sein, um den ankommenden Menschen eine Möglichkeit der Neu-Verwurzelung zu geben. Natur kann Zufluchtsort, Trost und „Ansaaterde“ sein und werden.

Auseinandersetzung der JBN mit dem Thema Flucht
Die Jugendorganisation BUND Naturschutz beschäftigt sich schon längere Zeit mit den Gründen für Flucht. Dazu wurden durch die Jugendvollversammlung, dem höchsten Gremium der JBN, 2014 ein Positionspapier mit dem Titel „Klima kennt keine Grenzen – warum Umweltpolitik Asylpolitik ist” und der Leitantrag Postwachstum im Jahr 2013 verabschiedet. Das Positionspapier kannst du hier herunterladen. Den Antrag zur Asylpolitik der Jugendvollversammlung im Jahr 2016 kannst du ebenso hier herunterladen.

2014 wurde ein landesweiter Arbeitskreis gegründet, der das Thema in die Jugendvoll-versammlung einbrachte. Ebenso drehten bei einer medienpädagogischen Maßnahme „Kamera läuft“ junge Jugendliche mehrere Clips zum Thema Klimaflucht. Zu den Clips kommst du hier.

Welche Ziele verfolgt das Projekt Naturzufluchten?

·         Naturzufluchten will Menschen mit Fluchterfahrungen und Menschen mit Migrationshintergrund eine positive Willkommenskultur entgegenbringen und Hilfestellung beim „Ankommen“ in der neuen Heimat geben.

·         Das Thema Integration soll in breite Bevölkerungsschichten getragen werden und die Verantwortung der Aufnahmegesellschaft deutlich gemacht werden. Begegnungen zwischen Menschen, insbesondere in der Natur, sind zentrales Element von Naturzufluchten, um Ängsten und Vorurteilen den Nährboden zu entziehen.

·         Vor allem natur- und umweltbedingte Katastrophen, welche der Klimawandel und die aggressive Durchsetzung wirtschaftlicher Interessen hervorrufen, sollen der Politik und Bevölkerung deutlich gemacht werden. Wirtschaft und Politik werden aufgefordert, die Fluchtursachen an der Entstehung zu bekämpfen.

Wie wird die JBN mit dem Projekt „Naturzufluchten” aktiv?
Geflüchtete Kinder bzw. Jugendliche sollen in bestehende JBN-Gruppen integriert werden. Sie nehmen bei den regulären Treffen teil, planen mit den anderen jungen Menschen Aktionen und werden so gemeinsam für den Umweltschutz aktiv. Außerdem werden sie zu bewährten bisherigen Veranstaltungen eingeladen, z. B. dem Tag der Religionen, Biotoppflegeaktionen, zum Besuch beim Imker, um gemeinsam Aktionen zu gestalten. Als wichtiges, durchgehendes Element wird das gemeinsame Zubereiten und das gemeinsame Essen erachtet.