Sommerakademie 2017

11.09.2017 – Was bedeutet „ökologisch” in anderen Ländern? Wie beeinflussen internationale Freihandelsabkommen die Umweltpolitik? Welche Umweltverbände gibt es z. B. in Asien und Afrika? Mit diesen Fragen und spannenden Aktivitäten rund um das Thema „Ökologie International” beschäftigten sich 15 junge Menschen von 16 bis 27 Jahren während der Sommerakademie in Benediktbeuern im August 2017.

Auf der glatten Oberfläche des Sees spiegeln sich die umliegenden Berge. Ein Touristenschiff legt am Ufer an. Auf der Liegewiese genießen Badegäste die Sonne, während die Erde, mit Seilen befestigt und von Steinen am Ort gehalten, auf dem See treibt.

Wie bitte? Was ist mit der Erde? Keine Sorge, die JBN ist schon unterwegs. An Land haben 15 junge Erwachsene bereits drei Flöße gebaut und machen sich auf, um unseren Planeten zu retten. Was dramatisch klingt, ist eigentlich ein großer Spaß. Denn es ist Sommerakademie und die Teilnehmer verbringen den Nachmittag am wunderschönen Kochelsee.

Nach zweijähriger Pause konnte die Sommerakademie dieses Jahr endlich wieder stattfinden. Mit neuem Konzept und frischen Ideen gestalteten Teamer und Teilnehmer eine aufregende und abwechslungsreiche Woche.

Schon auf der Busfahrt von Tutzing zu unserer Unterkunft im Kloster Benediktbeuern können wir die malerische Berg- und Mooslandschaft zu unseren beiden Seiten bewundern. Zwei faszinierende Naturräume, in deren Mitte sich der optimale Rahmen bietet, um sich mit dem Thema Ökologie zu beschäftigen. Denn das ist das Thema der diesjährigen JBN-Sommerakademie: Ökologie - und zwar international.

Nach der Begrüßung müssen wir uns erstmal bewusst werden, was wir mit den Begriffen „Ökologie“ und „International“ einzeln verbinden, bevor wir versuchen, erste Zusammenhänge zu finden. Ist Ökologie das Gleiche wie Umwelt(schutz)? Widersprechen sich Umweltschutz und international? Das Klimaabkommen von Paris stellt sich ja derzeit schwierig dar. Wirtschaft ist international – also ein Gegensatz zur Ökologie? Wir haben viele Fragen. Einige davon werden wir in den nächsten Tagen selbst oder mit fachkundigen Referenten beantworten.

Bei all den Fragen und damit verbundenen Schwierigkeiten soll aber das persönliche Wohlbefinden nicht zu kurz kommen. Deshalb ist „Glück“ ein weiterer wichtiger Bestandteil der Woche. Gleich am ersten Abend kommen Nick und Kurt aus der JBN-Landesstelle vorbei und beglücken uns mit einem Kabarettprogram zu eben diesem Thema.

In den folgenden Tagen lernen wir verschiedene Theorien für ein „glückliches Leben“ kennen. „Buen Vivir“ heißt eine lateinamerikanische Philosophie, die das menschliche Zusammenleben nach ökologischen und sozialen Normen ordnet. In Bhutan, einem Königreich im Himalaya, wird der Wohlstand des Staates nicht nach dem Bruttoinlandsprodukt (BIP), sondern nach dem BNG, dem Bruttonationalglück, gemessen. In Europa haben Aktivisten das Modell der „Gemeinwohlökonomie“ entwickelt, das den Kapitalismus der heutigen Zeit durch ein ethisch vertretbares Wirtschaften ersetzen soll. All diesen Theorien ist als Grundprinzip der Schutz von Umwelt und Natur gemein.

Als Referent für internationale Umweltpolitik besucht uns Martin Geilhufe des BN (BUND Naturschutz). Im Gepäck hat er eine Menge Fotos. Er selbst im Eisbärenkostüm auf einer Klimademo, BN-Aktive vor dem Eifelturm wenige Stunden vor Unterzeichnung des Pariser Klimaabkommens, in Schutzanzügen versteckte Aktivisten von „Ende Gelände“, die in der Lausitz ein Kohlekraftwerk besetzen. Die Botschaft ist deutlich: Wir können, sollen und müssen selbst aktiv werden und unsere Meinung in der internationalen Politik vertreten, wenn wir eine Veränderung bewirken wollen.

Eine weitere Form der Mitwirkung zeigt uns Lea Sedlmayr auf, Referentin für europäische Jugendpolitik des Bayerischen Jugendrings. Sie betreibt Lobbyarbeit auf europäischer Ebene für die Jugend. Wir sind erstaunt. Man stellt sich Lobbyisten doch häufig als dunkle Gestalten mit Sonnenbrille und schwarzem Aktenkoffer vor, die Politiker mit großen Geldsummen für irgendwelche Autokonzerne bestechen. Das gebe es auch, meint Lea, doch in erster Linie bedeute Lobbyismus Interessenvertretung, und das könnten auch unsere Interessen sein. Besonders interessant: Jeder EU-Bürger ist berechtigt, eine Nachricht, eine Anfrage, einen Vorschlag oder ähnliches an die Europäische Kommission zu senden und muss darauf auch eine Antwort erhalten. Schwer vorstellbar, als „kleiner“ JBNler auf europäischer Ebene gehört zu werden, aber es ist möglich.

Neben aller Bildung und Arbeit kommt der Spaß natürlich nicht zu kurz. An einem heißen Nachmittag geht es an den Kochelsee. Die Teamer verankern einen großen, luftgefüllten Globus mitten auf dem See, den die Teilnehmenden mit selbstgebauten Flößen retten. Nachdem die Mission geglückt ist, schwimmen wir im eiskalten Wasser und spielen am Ufer Volleyball. Gegen Abend verwöhnt uns unser großartiges Küchenteam mit leckerem Essen im Freien.

Am Sonntag geht es auf den Blomberg. Auf dem Gipfel wagen wir uns im Klettergarten in schwindelerregende Höhen, springen wagemutig von zehn Meter hohen Plattformen, hangeln uns über Abgründe und überwinden dabei den ein oder anderen Anfall von Höhenangst. Bergab geht es auf zwei Sommerrodelbahnen. Wehe, einer bremst!

Viel zu schnell ist die Sommerakademie 2017 vorbei. Wir haben eine Menge gelernt, eine Menge erlebt, eine Menge Kicker, Billard und Tischtennis gespielt und für uns erkannt: Ein nachhaltiger Lebensstil sollte nicht die absolute Askese sein. Ein Leben in Einklang mit der Natur und internationalen Partnern kann und soll glücklich machen. Dazu ist allerdings noch einige Veränderung in der (internationalen) Politik, Wirtschaft und Gesellschaft nötig. Jeder von uns sollte an seinem eigenen Lebensstil arbeiten, aber auch darüber hinaus aktiv werden. Gerne in der JBN oder in unserem internationalen Netzwerk. Aber auch in der Politik, in den Medien oder als Lobbyist in Brüssel kann sich ein Weg auftun, sich einzubringen. Die Sommerakademie 2017 war für uns jedenfalls ein guter Schritt in die richtige Richtung.

Text: Julia Dade
Foto: Melanie Albert