Shelter, Wald und Sterne – Wildniswochenende im Steigerwald

10.07.2017 – Eine Nacht unterm Sternenhimmel, ein Flugzeugabsturz, Brennesseln zum Abendessen und ganz viel Input zum Thema „Survival“. Das war das diesjährige Flower Power Wochenende. 15 Teilnehmer*innen verbrachten zwei Tage abseits jeglicher Zivilisation im Steigerwald.

Erst spät am Freitag Abend treffen die letzten Teilnehmer des diesjährigen Flower Power Workshops am Veranstaltungsort im Naturpark Steigerwald ein. Unsere Unterkunft, die Klingenhütte, kann man auf Google Maps nicht finden. Der zweite Hinweis auf unsere vollkommene Abgeschiedenheit: Es gibt keinen Handyempfang!

Aber das ist noch nicht alles. In der Hütte gibt es kein fließendes Wasser. Unsere Kanister füllen wir an einer Quelle auf, aus der es wegen einer langen Trockenperiode müde plätschert. Strom gibt es auch nicht. Wir beschließen, die Klingenhütte gar nicht zu nutzen und uns lieber im Wald einen Unterstand zu bauen.

Das ist leichter gesagt als getan. Schon die Suche nach einem geeigneten Standpunkt ist schwierig. Wir brauchen eine relativ ebene Fläche ohne allzu viel Gestrüpp mit Bäumen, an denen wir die Planen anbinden können. Als wir endlich einen Platz gefunden haben, diskutieren wir lange über den richtigen Neigungswinkel der Dachplanen, die Wind und Regen abhalten müssen. Bernd muss und mehrmals an unser Zeitlimit erinnern: Wenn es dunkel wird, müssen wir fertig sein, sonst werden wir nachts bei Regen nass.


Wir schaffen es rechtzeitig, einen Gemeinschafts- und Lagerraum sowie Schlafunterkünfte fertig zu stellen. Regen gibt es aber keinen, sodass Bernd uns bei klarem Himmel zeigen kann, wie man den Nordstern vom Großen Wagen aus findet und sich an ihm orientiert.

Auch die Übernachtung findet unter den Sternen statt. Wir holen Schlafsäcke und Isomatten aus den Unterständen und legen uns neben der Klingenhütte in die Wiese. Glühwürmchen fliegen um uns herum und hin und wieder huschen Maus und Frosch über unsere Schlafsäcke. Was für ein krasser Gegensatz zur Großstadt, in der viele von uns noch am selben Tag morgens aufgewacht sind.

Am Samstag wecken uns die Vögel. Nach dem Frühstück bereiten wir uns auf eine Expedition vor. Bernd kündigt an, dass wir uns mit dem Flugzeug auf eine Erkundungstour in bisher unerforschtes Gebiet aufmachen. Doch beim Landeanflug fallen alle Triebwerke aus! Unser Flugzeug stürzt irgendwo in der Wildnis ab – also im Wald circa 50 Meter von unserer Lichtung entfernt. Diese dürfen wir bis zum nächsten Morgen nicht mehr benutzen, erklärt Bernd. Solange müssen wir im Wald auskommen, nur mit den Hilfsmitteln, die wir dabei haben. Zusätzliche Schwierigkeit: Einer der Teilnehmer hat sich ein Bein gebrochen.

Zuerst gehen wir auf die Suche nach Wasser. Bergab findet sich nach einiger Zeit ein kleiner Bach. Dort teilen wir uns auf. Eine Gruppe sammelt unter Anleitung essbare Pflanzen: Brenneseln, Himbeerblätter, Gundermann. Die Anderen bauen in einer Senke unsere Schutzhütte für die Nacht. Das ist eine Schufterei! Stundenlang schleppen wir Zweige, Laub und Moos zusammen, um den Shelter zu isolieren. Als es dämmert, setzten wir uns müde zusammen. Das Festmahl aus Blättern runden wir mit einer Runde Werwolf ab, bevor wir es uns im Shelter bequem machen.

Selten schmeckt Birchermüsli so gut wie nach 18 Stunden im Wald! Nachdem wir am Sonntagmorgen zurück an der Hütte sind genießen wir unser blattfreies Frühstück.

Anschließend geht es mit einem Geländespiel noch einmal in den Wald zurück. Als Jäger, Wölfe und Wild jagen wir uns gegenseitig durchs Dickicht, bis es Zeit wird, unser Lager abzubauen.

Bis zur Haarspritze vollgepackt mit spannenden Erfahrungen treten wir am Nachmittag die Heimreise an und freuen uns vor allem auf eines: Die Dusche!

Text: Julia Dade