Ruths Kirschkern-Rede von der Wir ham's satt!-Demo

15.07.2013 – Am 13.07.13 fand in München die Wir ham's satt-Demo gegen industrielle Landwirtschaft und Flächenverbrauch statt. Die JBN war mit Kinder, Jugendlichen und Gruppenleiterinnen bunt und kreativ vertreten. Ruth Heeren (JBN-Lavo) hielt eine legendäre Rede vor der Bayerischen Staatskanzlei: Die Kirschkern-Rede!

Ruth Heeren's Rede auf der Wir ham's satt Demo

Ruth Heerens Kirschkern-Rede in voller Länge. Es gilt das gesprochene Wort.

Marion Ruppaner: Wo siehst du den größten Änderungsbedarf für die politische Weichenstellung im Bereich Ernährung?

Ruth Heeren: Wir haben es satt wortwörtlich mit industrieller Nahrung abgespeist zu werden!

Wir wollen kein Fleisch aus Massentierhaltung, aus blutigen Industriefabriken finanziert von Fördergeldern, die genauso gut in eine Fleischproduktion ohne Qualen und ohne Antibiotika fließen könnten!

Wenn ich als Kind durch die Felder gelaufen bin, habe ich Insekten dabei zugesehen, wie sie von Pflanze zu Pflanze geflogen sind, habe Wiesenblumensträuße gepflückt und die verschiedenen Getreidesorten gekannt. Ich hab’s satt, dass ich das Alles meinen Kindern vielleicht nicht mehr zeigen kann. Ich hab’s satt, dass es für meine Kinder vielleicht nur noch mit Pestiziden vergiftete Monokulturen zu sehen geben wird!

Auch Gentechnik hat in unserer Nahrung nichts zu suchen! Wir wissen nicht was gentechnisch verändertes Saatgut für Risiken mit sich bringt, aber unsere Generation will diese unabsehbaren Folgen bestimmt nicht ausbaden! Wir haben es satt, dass uns falsche Versprechungen von der Politik gemacht werden, wir wollen keine Gentechnik in Bayern!

Marion Ruppaner: Wie ist die Bereitschaft von Jugendlichen fürs tägliche Essen mehr Geld auszugeben?

Ruth Heeren: Mit Verlaub, eigentlich ist doch schon diese Frage komisch. Gesundes Essen MUSS für Jeden erschwinglich sein! Gesundes Essen darf kein Luxus sein! Wir die Verbraucher und Konsumenten haben ein Recht auf Lebensmittel, die frei von Pestiziden, Gentechnik und Medikamenten sind!

Nicht umsonst heißt es „Du bist, was du isst“. Von kranker Nahrung, werden wir auch krank!

Marion Ruppaner: Wo seht ihr Trends bei der Ernährung von Jugendlichen in den nächsten 20 Jahren?

Ruth Heeren: Essen wird in den nächsten 20 Jahren ein Kampf! Wer  in meinem Alter weiß denn noch wie ein Schweinebraten zubereitet wird? Geschweige denn woher das Fleisch dafür kommt? Ob in 20 Jahren überhaupt noch viele Kinder und Jugendliche den Zusammenhang zwischen Pommes und Kartoffel sehen? Ob sie wissen was ein Erdbeershake mit der Kuh zu tun hat und, dass diese NICHT lila ist...
Und wie Kirschen aussehen, wenn sie am Baum hängen... Alles das muss erkämpft werden von mündigen Verbrauchern, von Ökos und Genießern.

Ich wünsche mir, dass Jugendliche in den nächsten 20 Jahren wieder erfahren wie so eine selbstgepflückte Kirsche schmeckt.  Wie man sie saftig und warm von der Sonne, genüsslich isst und den Kirschkern dann mit all der Wut über falsche Versprechungen und leere Worte der Politiker an diese Staatskanzlei spuckt! Liebe Politiker die Zukunft zu verlieren ist nicht das Selbe wie eine Wahl zu verlieren! Wir die JBN wollen Taten nicht Worte.


Audio Mitschnitt von der Wir ham's satt Demo und Ruths Rede.

Bilder-Galerie der JBN von der Wir ham's satt Demo.