Alpentour 2019 - In acht Tagen um den Königsee

16.09.2019 – Erste Septemberwoche 2019. Zehn junge Erwachsene. In acht Tagen zu Fuß über 68 km und 4800 Höhenmeter im Aufstieg und 4400 Höhenmeter im Abstieg um den Königssee. Soweit der Plan.

Die Wirklichkeit stellte die beiden Organisatoren Svenja und Uli bereits auf die Probe, als ein Teilnehmer ohne Schuhwerk am Treffpunkt eintraf. Er wurde kurzerhand Schuhe kaufen geschickt, um kurz darauf mit einem blauen Paar Wanderstiefel zurückzukommen. Jetzt konnte es los gehen!

Zwei Ranger vom Nationalpark Berchtesgaden begleiteten uns von der Jennerbahn-Talstation bis knapp vor unsere erste Hütte, das Carl-von-Stahl-Haus. So erhielten wir gleich einen interessanten Einstieg zum einzigen Nationalpark in den deutschen Alpen!
Nach ca. 1100 Höhenmetern hatten wir uns die Knödel regelrecht verdient und nahmen auch drei halbfertig gegessene Kaiserschmarren vom Nebentisch freudig entgegen...

Der Sonnenaufgang am ersten Morgen war spektakulär. Da weiß man dann auch wieder, warum man die 10 kg Müsli im Rucksack auch noch mitgeschleppt hat!
Kurzerhand hatten unsere Bergführer Svenja und Uli am Vorabend bereits das Programm umgeworfen. Grund: Wetter. Auf die Gefahr hin, am Abend im Schankraum übernachten zu müssen, machten wir uns also bereits einen Tag früher als geplant an die lange Etappe zur Wasseralm.
Wir waren eine bunt durch gewürfelte Truppe (vom Flachlandtapir zum lebenslangen Gipfelstürmer waren alle dabei, alle bis auf ersterer waren zumindest bereits auf einigen Bergtouren und Hütten gewesen...).
Über den ersten Gipfel unserer Tour, den Schneibstein, freuten wir uns jedoch alle riesig.
Weiter ging es, mit Badepause am Seeleinsee, zu unserem Ziel, an welchem wir neben ofenfrischem Kuchen, Gemüsesuppe und Trockenraum sogar alle reguläre Hüttenbetten bekamen!
Ja, auf solch einer Tour merkt man (erst) wieder, was man wirklich zum (Über-)Leben braucht. Nämlich nicht viel. Und Hauptsache gute Laune:)

Die ließen wir uns auch nicht nehmen, als es am Montag den gesamten Tag über schüttete. Eine kurze Stippvisite am nahen Wasserfall, einige Runden Schafkopf (ja, auch Norddeutsche können dieses Spiel, im Gegensatz zu manchen Bayern), dann eröffnete Uli den Nichtwandertag mit einem WUp. Nachdem wir mit zahlreichen Wattwürmern gemeinsam Gymnastik gemacht und uns aufgewärmt hatten, erhielt jeder von uns die Aufgabe, einen Workshop vorzubereiten.
Im Laufe der Woche brachten wir uns so gegenseitig das Kartenlesen, die Höhenstufen der Nordalpen sowie das Spurenlesen bei, hörten Vorträge über verschiedene Heizmöglichkleiten, Ameisen, erspielten ein Unentschieden im Geografie-Quiz, ließen Wildnis auf uns wirken, machten Yoga und dichteten Vagandenlieder (oder ließen uns einfach inspirieren).

Am vierten Tag unserer Tour ging es, hauptsächlich durch den Wald und mit Badepause am Schwarzsee, zum Kärlinger Haus am Funtensee. Hier ist mit -45,9°C die offiziell niedrigste Temperatur Deutschlands gemessen worden. Trotzdem wurde er von vielen unserer Gruppe als willkommene Auszeit für etwas Körperhygiene genutzt:)
Nach einem langen Tag, atemberaubender Aussicht auf Königssee, Versorgungshubschrauber, Murmeltiere und Gämsen tat es gut, am überaus idyllisch gelegenen Haus anzugelangen.

Am Mittwoch erwartete uns der anspruchsvollste Streckenabschnitt in Form der Wanderung auf den Funtenseetauern. Durch zahlreiche Höhenmeter und eine schwarze Routenmarkierung kann man eindeutig sagen, dass die JBN-Alpentour nicht für Anfänger im Wanderbereich ausgelegt ist, sondern es schon ziemlich in sich hat!
Umso schöner war es dann, mittags mit Tagesgepäck auf dem 2600m hohen Gipfel zu jonglieren und beste Fernsicht zu leckerer Brotzeit zu genießen...
Abends wurden wir mit einer Soloerfahrung am leicht nebligen Funtensee unter bombastischem Sternenhimmel belohnt.
Einzelne blieben beim Anblick des Sommerdreiecks aus den Sternbildern Schwan, Leier und Adler innerhalb der Milchstraße noch länger draußen und hatten des einzigartige Glück, einer in der Dunkelheit grasenden Hirschkuh zu begegnen, faszinierend und eindrücklich!!

Am Tag drauf wanderten wir zu unserer letzten, der Ingolstädter Hütte in Österreich, was die Ingolstädter unter uns sehr freute. Wir hatten sie bereits vom gestrigen Gipfel aus gesehen, und gelangten sogar am selben Tag noch auf unseren dritten Gipfel, den Kleinen Hundstod.
Dort legten wir eine innere Erholungspause ein und genossen die Aussicht auf die in die Täler rollenden Wolken, durch welche wir anschließend anstiegen.
Leider war kein Babyschaf mehr auf der Hütte, allerdings ließen sich Kaninchen Whisky und Kater Felix mehr oder weniger gern streicheln.
Schafherden hatten uns in den letzten Tagen mehrfach begleitet, Bergziegen haben wir leider keine gesehen; immerhin hatten wir selber so gut wie eine dabei...

Die Wolken waren am Freitag immer noch da. Auf 2100m Höhe sahen wir - nichts. Nach einem kleinen Spaziergang im Steinernen Meer meinte es das Wetter jedoch gut mit uns und gewährte eine Zeit lang Gipfelsicht auf den Großen Hundstod.
Einige Ausdauernde trieb es sogleich hinauf, sodass ein viertes Gipfelfoto geschossen, und auf dem Rückweg endlich vernünftig bayerisch gelernt werden konnte!

Der letzte Abend fand darin Eröffnung, indem "Das Unnötigste unbenutzte Ding aus meinem Rucksack" gekürt wurde. Vom GPS-Gerät über einen Bühnenscheinwerfersicherungskarabiner zu Kondomen war Interessantes vertreten. Anscheinend haben wir gut gepackt, denn alles davon hätte man ja brauchen können...:)

Ein fulminanter Höhepunkt waren Überraschungs-Germknödel inklusive Gedicht für Svenja und Uli. Nach einer schafkopfreichen Nacht verließen wir dann am Samstagmorgen die Hütte bei Schneefallwarnung, wenngleich auch über einen dezent anderen Weg als ursprünglich geplant...
Aber mit spontanen Situationen können die beiden Bergführer absolut lässig und souverän umgehen, sodass wir alle fertig, aber glücklich - und beladen mit wundervollen Erinnerungen - am Abend zuhause ankamen.
Ein dickes Dankeschön an euch beide, es war für uns eine unglaublich bereichernde und tolle Woche.
Und ein Nachtreffen zum gemeinsamen Bilder anschauen ist auch bereits in Planung...

Text: Laura Leona Fahl