Abschiedsseminar am Falkenstein

17.07.2017 – Das Freiwillige Ökologische Jahr 2016/2017 neigt sich dem Ende zu. Das letzte Seminar haben wir FÖJler im Nationalpark Bayerischer Wald verbracht. Im Wildniscamp am Falkenstein übernachteten wir in Länderhütten und verbrachten jeden Tag im Freien. Wanderung, Lagerfeuer, Geländespiel, das Programm war bunt - und zeitlos. Am Schluss stand der schwere Abschied.

Mit der Waldbahn kommen wir Freitag Mittag am Haus zur Wildnis im Nationalpark Bayerischer Wald an. Hier werden wir von den heimischen FÖJlern und unseren Teamern begrüßt.

Die Woche beginnt mit einer Wanderung durch das Tierfreigelände. An den Gehegen von Wolf und Luchs sehen wir – nichts. Wie sich das für die scheuen Waldbewohner gehört. Wildpferde und Bisons präsentieren sich dafür faul in der Sonne liegend, einfach zu beobachten.

Abends im Wildniscamp müssen wir uns entscheiden, ob wir in Benin, Chile, Vietnam, Brasilien oder der Mongolei schlafen wollen. Unsere Unterkünfte entsprechen authentischen Behausungen aus den Partnerländern des Nationalpark Bayerischer Wald. Hängematten, Reismatratzen oder blanker Holzboden. Wem das nicht aufregend genug ist, der verbringt die erste Nacht im Freien unterm Sternenhimmel. Vor dem Schlafengehen geben wir noch unsere Uhren und Handys ab – denn diese Woche wollen wir ohne Zeit leben.

Dienstag Morgen geht es in den Wahlkampf. Da wir im Herbst zum ersten Mal unsere Kreuze für den Bundestag setzen, beschäftigen wir uns mit Politik. Wir schlüpfen in die Rolle verschiedener Parteien, loben als CDU-Abgeordnete traditionelle Werte, sprechen als SPD-Vertreter über soziale Gerechtigkeit (natürlich ohne konkret zu werden), fordern als Grüne mehr Umweltschutz und hauen als AFD-Anhänger auf das Rednerpult.

Später geht es auf den Falkenstein. Während wir den Berg besteigen, kommen wir durch eines der wenigen Urwaldgebiete, die es in Deutschland gibt. Hier können wir die Bedeutung von Totholz erleben. An einem großen, umgestürzten Baumstumpf wächst ein Feuerschwamm– ein extrem seltener Pilz. Hübsch ist er nicht, aber er duftet – nach Rosen!

Weiter oben am Berg durchqueren wir ein Borkenkäferareal. Das ist fast unheimlich. Um uns herum stehen tote Fichten, deren Rinde abgefallen ist. Bereits umgestürzte Bäume liegen am Boden. Wir beeilen uns, um nicht von einer umstürzenden Fichte getroffen zu werden.

Auf dem Bergkamm stehen wir plötzlich auf einer Freifläche. Hier steht kein größerer Baum mehr, nur einzelne Büsche bedecken den kahlen Boden. Was ist hier passiert? Kyrill, ein Orkan, hat 2007 den Kamm des Falkenstein entwaldet.

Kurz darauf sind wir endlich am Gipfel und genießen einen großartigen Ausblick über den Bayerischen Wald. Sogar unser Wildniscamp kann man von hier oben aus sehen!

Die Woche vergeht viel zu schnell. Wir bauen im Wald Schutzhütten, machen Yoga, backen Brot, singen am Lagerfeuer und jagen uns beim Geländespiel „Capture the Flag“ durch den Wald.

Am Donnerstag gestalten wir dann unsere Abschluss-T-Shirts. Mit Textilfarbe sprayen wir das FÖJ-Logo auf den Stoff und unterschreiben die Oberteile der anderen Gruppenmitglieder. Nachmittags geht es in unseren letzten „Rat der Weisen“. Hier reflektieren wir das vergangene Jahr. Es wird emotional, denn wir sind alle gute Freunde geworden, haben zusammen viel erlebt und einige Veränderungen durchlaufen.

Abends feiern wir unsere letzte große Abschlussparty. Mit Schlamm bemalen wir unsere Gesichter, aus Gras werden Kleidungsstücke geflochten und aus Federn Schmuck gebastelt. Das Thema lautet Urvölker. Mehr oder weniger passend dazu tanzen wir alte irische Volkstänze und singen am Lagerfeuer bis spät in die Nacht.

Am nächsten Morgen heißt es dann endgültig: Abschied nehmen. Das fällt nicht leicht, denn wir haben ein aufregendes, spannendes und prägendes Jahr gemeinsam verbracht, auf das wir gerne zurückblicken werden. Deshalb nehmen wir uns auch fest vor, dass wir uns wiedersehen werden. Bei einem Nachtreffen in genau einem Jahr, im Juni 2018.

Bis dahin: Danke für Alles, und Alles Gute für die Zukunft!

Text: Julia Dade